Mehr Chancengerechtigkeit und Entbürokratisierung

Im Interview im ORF „Ö1 Journal um acht“ sprach Bildungsminister Christoph Wiederkehr am Dienstag über seine Vision für das österreichische Bildungssystem und die Herausforderungen, denen sich das Land gegenübersieht. Sein Ziel ist es, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern und mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Verbesserung der Bildungsergebnisse

Ein zentrales Anliegen Wiederkehrs ist es, dass Kinder gerne zur Schule gehen und dort bestmöglich gefördert werden. Als Maßstab für den Erfolg nennt er die Steigerung der Sprachfähigkeit und eine bessere Lesekompetenz. Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler nach der Schulzeit gut vorbereitet in eine immer komplexere Welt starten.

Mehr Chancengerechtigkeit durch frühe Förderung

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die frühe Bildung. Wiederkehr betont, dass in Österreich zu wenig Geld in die elementare Bildung investiert wird. Er kündigte daher die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres an, um die Sprachförderung zu intensivieren und den Übergang zur Volksschule zu erleichtern. Auch in der Volksschule sollen gezielte Fördermaßnahmen und kreative Lernmethoden, wie etwa Sommerkurse, das Sprachniveau anheben.

Auswirkungen des Familiennachzugs und Digitalisierung

Wiederkehr sieht in der Begrenzung des Familiennachzugs eine kurzfristige Entlastung des Bildungssystems, da dadurch weniger Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse ins Schulsystem kommen. Gleichzeitig macht er die zunehmende Nutzung von Smartphones für die abnehmende Sprachfähigkeit mitverantwortlich. Er fordert einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien, um Ablenkung zu minimieren und das Lernen zu fördern.

Mittlere Reife als neue Anforderung

Ein weiterer zentraler Punkt ist die geplante Einführung der "Mittleren Reife". Damit soll sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen nach Abschluss der Schulpflicht über grundlegende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen. Diese Reform soll verhindern, dass junge Menschen das Bildungssystem verlassen, ohne ausreichende Kenntnisse für ein selbstbestimmtes Leben.

Budgeteinsparungen und Bildungsinvestitionen

Angesichts der angespannten Budgetsituation sieht sich das Bildungsministerium mit Einsparungen konfrontiert. Wiederkehr betont jedoch, dass wichtige Investitionen weiterhin getätigt werden. So wurden 120 Millionen Euro für Sprachförderung, Gewaltprävention und moderne Pädagogik bereitgestellt. Auch das zweite verpflichtende 
Kindergartenjahr soll finanziert werden.

Entbürokratisierung und mehr Autonomie für Schulen

Um Lehrkräfte zu entlasten, plant Wiederkehr eine umfassende Entbürokratisierung. Bereits mit dem kommenden Schuljahr sollen 80 % der ministeriellen Anweisungen an Schulen gestrichen werden. Ein speziell eingesetztes Team aus Schulleitungen, Lehrkräften und Expertinnen und Experten soll weitere Maßnahmen zur Vereinfachung erarbeiten. Auch der Ausbau von administrativer Unterstützung an Schulen wird forciert, um Lehrkräften mehr Zeit für den Unterricht zu ermöglichen.

Mit diesen Maßnahmen will Minister Wiederkehr das österreichische Bildungssystem "gerechter und effizienter" gestalten. Ob diese Reformen langfristig greifen, wird sich in kommenden Pisa-Studien und der schulischen Praxis zeigen, so der Bildungsminister.

Quelle: ORF Ö1 Journal um acht